DSLR Video – Videokompression
Die derzeit am Markt verfügbaren videotauglichen DSLR-Kameras zeichnen alle Video mit mehr oder weniger starker Kompression auf. Bisher ist keine dieser Kameras in der Lage, in einem verlustfreien Format, idealerweise RAW aufzuzeichnen. Das hat zwar den Vorteil, dass sich der benötigte Speicherplatz noch in einigermaßen handhabbaren Grenzen hält, hat aber gleichzeitig den Nachteil, dass man in der Post-Production nicht mehr in den Genuss voller Qualität kommt. Leider merkt man diesbezügliche Schwierigkeiten oft erst in der Post-Production. Das fängt mit plötzlich sichtbaren, verstärkten Artefakten nach einer Farbkorrektur an und endet mit massiven Problemen, wenn man z.B. Filmsequenzen in Chroma-Key Technik (Bluebox/Greenbox) produzieren möchte und das präzise Keying von feinen Kanten und Strukturen wie z.B. Haaren bei der Bearbeitung unerwartet schwierig wird. Die Kompression innerhalb der Kamera geht nunmal mit nicht unerheblicher Datenreduktion einher, damit muss man lernen umzugehen. Beispielsweise gibt es diverse Möglichkeiten, die Kameraeinstellungen so zu ändern, dass man ein visuell flach, flau, kontrastarm, weich anmutendes Bild aufzeichnet, das einem aber im Gegenzug mehr Möglichkeiten in der Nachbearbeitung bewahrt. Nutzt man diese Möglichkeiten und verzichtet auf ein scheinbar “fertiges” Bild aus der Kamera, dann muss natürlich beim Dreh darauf verzichten, ein “fertiges” Bild im Display oder auf einem externen Monitor beurteilen zu können. Man erhält dann im Grunde optimierte Daten, die ihre volle Wirkung erst nach einer entsprechenden Farbkorrektur richtig entfalten. Die Firma Technicolor z.B. bietet für die Video-DSLRs von Canon z.B. einen kostenlosen Picture Style namens “Cinestyle” an, der stark vereinfacht ausgedrückt eine Art RAW-Aufzeichnung simuliert.
Außerdem möchte ich an dieser Stelle noch kurz darauf hinweisen, dass das von den Kameras erzeugte hochkomprimierte Dateiformat nur begrenzt für den Videoschnitt geeignet ist. Man sollte sich also nicht wundern, wenn man die Dateien direkt in z.B. Adobe Premiere Pro schneiden möchte und die Arbeit nur sehr unperformant ist. Hin- und Herspulen kann durchaus auch auf schnellen Workstations eine hakelige Angelegenheit sein, solange man sein Material nicht in einen (intermediate) Codec wandelt, der speziell für den Videoschnitt entwickelt wurde. Cineform bietet beispielsweise mit “Neo” solche Intermediate Codecs mit unterschiedlichem Featureset und mit entsprechendem Konvertierungstool an.